Waldwiese © Pro Natura Schaffhausen

Naturschutzgebiet Oberbärghaalde

Die kleinstrukturierte und sehr artenreiche Steilhalde an den Südhängen von Hemmental bietet vielen gefährdeten Pflanzen- und Insektenarten ein Zuhause.

Diversität durch unterschiedliche Nutzung

Im Gegensatz zu den umliegenden Gemeinden kam es in Hemmental bis anhin noch nicht zu einer Melioration. Daher ist das Naturschutzgebiet Oberbärghaalde noch immer in kleine Parzellen unterteilt (ugs. „Hosenträgerparzellen“). Die unterschiedliche Nutzung als Mähwiese oder extensives Weideland der früheren Eigentümer führte dazu, dass die Hänge der Oberbärghaalde noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahezu unbewaldet waren. Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft wurden die Steilhänge der Oberbärghaalde für die Bewirtschafter unattraktiv. In der Folge lagen die Hangwiesen längere Zeit brach, verbuschten und verwaldeten zusehends. Ab den 1980er Jahren nahm die Naturschutzvereinigung Schaffhausen (Heute Pro Natura SH) die Pflege wieder auf. Die durch diese historischen Begebenheiten entstandene Strukturvielfalt bietet heute zahlreiche verschiedene Lebensräume, weshalb dieses Gebiet eine besonders hohe Biodiversität aufweist. Unter den Tieren sind die Insekten die unbestrittenen Könige hier; mit 67 Schmetterlingsarten, 66 Stechimmenarten und 14 Heuschreckenarten. Diese Vielfalt ist aber weiterhin durch den ungebrochenen Sukzessionsdruck gefährdet und verlangt intensive Pflegemassnahmen, um diesen Artenreichtum zu erhalten.

Die Königinnen eines verschollenen Reiches

Kaum eine andere Pflanzenfamilie profitiert so sehr vom Erhalt gesunder, extensiv genutzter Magerwiesen wie die Orchideen. Wird zu oft oder zum falschen Zeitpunkt gemäht, kommen sie nicht zur Samenbildung. Auch die Anreicherung von Nährstoffen durch Deposition aus der Luft oder intensiver Landwirtschaft führen zum Verschwinden dieser meist auf sehr magere Standorte spezialisierten Pflanzengruppe. Die winzigen Samen der Orchideen liefern den Pflanzenembryos nämlich keinerlei Nährstoffe, im Gegensatz zu den grösseren Samen anderer Pflanzen. Sie können nur durch eine symbiotische Infektion mit einem spezifischen Pilz an Nährstoffe kommen, um zu Keimen. Rückstände von Fungiziden in den Böden landwirtschaftlich genutzter Flächen, können so den Orchideen zum Verhängnis werden. Umso erfreulicher ist es also, dass an der Oberbärghaalde sogar die sehr seltene Bocksriemenzunge noch anzutreffen ist. Dieser Gigant unter den Orchideen wird bis zu einem Meter hoch, hält Bewunderer aber mit einem starken Ziegenbock-Geruch auf Abstand.

Die Schutzziele in der Oberbärghaalde

Ein Schutz- und Pflegekonzept wurde im Jahr 2017 erstellt. Um die Strukturvielfalt zu erhalten, ist das Schutzgebiet in verschiedene Einheiten aufgeteilt, welche zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr gepflegt werden. Damit kann das Lebensraummosaik mit seiner natürlichen Dynamik der Teilflächen erhalten bleiben. Neben der Mahd der Wiesen gehört das Durchforsten zugewachsener Waldpartien und Waldrändern zu den regelmässigen Pflegearbeiten in der Oberbärghaalde. Durch das Freistellen wertvoller Lichtbaumarten und das Anlegen von Kleinstrukturen wie Ast-, Stein- oder Grashaufen und dem Stehenlassen von Totholz und Altgras werden ausserdem viele weitere ökologische Nischen geschaffen. 

Oberbärghaalde (Hemmental), ein vielfältig strukturiertes Naturschutzgebiet mit vielen Hecken und Magerwiesen.

Auf offiziellen Wegen aufhalten, Fahrverbot, Hunde sind an der Leine zu führen


Wann besuchen
Frühling (Orchideenblüte) und Sommer
Wo
Trockenwarme Südhänge bei Hemmental
Karte: 1:25000, Blatt 1031 Neunkirch
Fläche
220,69 Aren
Anreise
Mit den SBB nach Schaffhausen, dann mit dem Postauto (NFB 22) Richtung Hemmental, Dorfplatz bis Haltestelle Hemmental, Dorfplatz.